Prozess zum Neukölln-Komplex: Berliner Politiker Ferat Koçak sagt vor Gericht zur rechtsextremen Anschlagsserie aus. Berlin
Bereits als Zeuge im Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses zum Neukölln-Komplex beschrieb er einen großen Vertrauensverlust gegenüber den Behörden, da er etwa im Vorfeld des Anschlags – als der Verfassungsschutz bereits Hinweise darauf hatte, dass die nun angeklagten zwei Neonazis ihn intensiv ausspioniert hatten – nicht gewarnt worden war.
Koçak hat in der Aufarbeitung eine Doppelrolle – und die ist durchaus umstritten. Denn er ist nicht nur Nebenkläger im Prozess gegen T. und P., womit er über seine Anwältin Zugang zu den Ermittlungsakten hat. Er ist auch Mitglied im . Er soll Ermittlungsfehler und mögliches Behördenversagen aufklären, hat aber bislang kaum Akten zum Strafverfahren, weil der Prozess noch läuft.Zwar erklärte Koçak am Rande des ersten Prozesstages: „Ich bin mir der Doppelrolle bewusst. Ich werde die Dinge unterscheiden, hier bin ich Nebenklage, eine Position in zweiter Reihe.“ Dennoch dürfte die Doppelrolle bei seiner Vernehmung eine Rolle spielen.
Nach Ansicht von Mirko Röder, Verteidiger des angeklagten Tilo P., zieht Koçak damit das Gericht grundsätzlich in Zweifel, vor dem er selbst als Nebenkläger auftritt. Röder spricht sogar von einem „unerträglichen Angriff“ eines Vertreters „der Legislative auf die Judikative“, dies sei Ausdruck einer „diffusen Justizfeindlichkeit“ und der „zunehmenden Verrohung der Sitten der politischen Elite in Berlin“.