Kollektiver Rausch mit Placebo in der Mercedes-Benz Arena
überprüft werden. Die Band vertraute dort auf ihre jüngsten Kreationen, spielte viel, sehr viel vom neuen Album. „Forever Chemicals“, „Beautiful James“ oder auch „Happy Birthday in the Sky“, alles Neue fügte sich harmonisch ein in einen Live-Trip, der schnell seinen Sog entfachte, sanft in die Beine und direkt ins Herz ging. Diese Songs waren Entspannung trotz Krach, und live noch mal deutlich intensiver als in den Studioversionen.
Und diese Fans, die rasteten größtenteils nicht aus vor Begeisterung, nein, sie ließen sich einfach hinein ziehen in einen Rausch. Bei den ganz großen Hymnen wie „The Bitter End“ gab’s aber dann doch kein Halten, da regierte kurz der kollektive Wahnsinn. Sänger Brian Molko ist eigentlich ein Typ, der viel zu sagen hat. Sagt an diesem Abend aber so gut wie gar nichts, suchte den Kontakt zur Musik, nicht zu den Menschen. Das könnte man als abgeklärt, gar arrogant werten, aber eigentlich war es genau richtig. Ein „So schön in Berlin zu sein“ oder gar größere politische Statements wären unpassend gewesen, hätten nur zur Rausch-Unterbrechung geführt.
Molkos unverwechselbare Stimme, diese hohe, näselnde, knarzige, sie durfte nur singen. Und gab den Liedern noch mal eine ganze spezielle, intensive Note. Den Zugabenteil eröffneten Placebo mit einer beeindruckenden Coverversion von „Shout.“ Die Synthiepop-Helden Tears for Fears, verantwortlich für das Original, dürften sehr zufrieden sein mit dieser Hommage. Genau wie Kate Bush mit der Version ihres Klassikers „Running Up That Hill“, dem die Band auch ein Placebo-Gewand verpasste. Das war sinnlich, das war magisch, stand dem Original in nichts nach. Mithalten mit Kate Bush, das schafft nicht jeder.