Im Tempodrom sang der 81 Jahre alte Brasilianer Lieder, die auch nach 50 Jahren nicht an Aktualität eingebüßt haben. Das Publikum hätte dankbarer nicht sein können.
Schon beim ersten Lied am Sonntagabend, „Expresso 2222“, wird klar, warum diese zwei Stunden in Erinnerung bleiben werden: Weil die rund 3000 Menschen imnicht nur den Sänger Gilberto Gil feiern, der für ein Abschiedskonzert hierhergekommen ist, der von Gefängnis und Rückkehr ins Leben erzählen wird – sondern weil dieses Publikum jede Zeile des Brasilianers textsicher mitsingen kann; das aber gerade so leise tut, dass es wie kollektives andächtiges Flüstern...
Gerade bei diesem ersten Lied über den Express-Zug, den Gilberto Gil immer in Richtung Salvador genommen hat, den mit der Nummer „dois, dois, dois, dois“ – der ganze Saal flüstert „2222“. Das wird auch für den Rest dieses Konzerts so bleiben.
Und was für ein Song das ist, mit schnellen Rhythmen und einem Text, der gerade in Zeiten von Künstlicher Intelligenz noch einmal komplett neu gelesen werden muss. Gleich zu Beginn heißt es da: „Das elektronische Gehirn erledigt alles / Beinahe alles / Aber es ist stumm.“ Doch nur Menschen können weinen, wenn sie traurig sind. „Ich denke und ich kann entscheiden, ob ich lebe oder sterbe, weil ich lebe.
Der Abend endet, wie ein brasilianischer Abend im Tempodrom enden muss: Alle stehen und klatschen zu einem Lied in die Hände, das Deutsche selbst dann nicht verstehen, wenn sie den Text Wort für Wort übersetzen: „Aquele abraço“ heißt auf Portugiesisch „Diese bestimmte Umarmung“, aber wie sie sich anfühlt, lässt sich in Worten schwer beschreiben.
Irgendwo hält jemand eine brasilianische Flagge in die Höhe, und hier und da umarmen sich Menschen, auch lange, nachdem das Konzert vorbei ist, stehen sie vor der Halle. Die Brasilianer an sich, ihnen gilt dieses Lied und die „Spezielle Umarmung“ wirklich, oder wie Gilberto Gil es bei diesem Abschiedskonzert in Berlin singt: „Todo o povo brasileiro / Aquele abraço.“
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